Unfall im Straßenverkehr: Welche Rechte hat ein Geschädigter?

Kommt es zu einem Verkehrsunfall, hat der Geschädigte je nach Schadenumfang und Schadenhöhe spezifische Rechte, die er als Unfallgeschädigter gegenüber dem Schädiger bzw. dessen Haftpflichtversicherung geltend machen kann.

Zumeist jedoch kennt der Geschädigte nicht alle Schadenspositionen, gerät an das Schadenmanagement der Versicherer oder verzichtet aus Angst bei der Unfallabwicklung schnell auf vieles, was ihm eigentlich zustehen würde.

Schadensregulierung: Nichts für Laien

Als Unfallgeschädigter sieht man sich der Situation ausgesetzt, dass die Gegenseite (das sind der Schädiger und sein Versicherer) überhaupt kein Interesse daran hat, für den Verkehrsunfall möglichst viel Geld zu bezahlen, sondern im Gegenteil. Und man darf sich keinen Illusionen hingeben: Die Versicherer kennen das Verkehrsrecht nur zu gut und haben sehr effiziente Mechanismen entwickelt, um bei der Abwicklung des Unfallschadens in größtmöglichem Umfang Einsparungen vornehmen zu können.

Deshalb sollte der Geschädigte niemals versuchen, die Schadensregulierung selbst vorzunehmen, er wird dabei niemals den Schadenumfang in dem Maße ersetzt bekommen, wie es ihm nach dem Verkehrsrecht zustünde.

Wichtig: Professionelle Unfallhilfe gibt es für den Geschädigten kostenfrei und ohne weitere Risiken. Sinnvoll ist es dabei aber vor allem, einen solchen Service von Anfang an in Anspruch zu nehmen. Versucht der Geschädigte die Unfallabwicklung „erst mal alleine“, passiert es häufig, dass die Gegenseite dem Geschädigten den Anspruch um einige hundert Euro kürzt, sich diese Situation durch vorangegangene Fehler allerdings nicht mehr retten lässt.

Unter keinen Umständen sollte ein Unfallgeschädigter sich daneben darauf einlassen, die Abwicklung dem Schadenmanagement der gegnerischen Haftpflichtversicherung zu überlassen.

Erster Schritt für die Abwicklung von Sachschäden: Das Schadengutachten

Natürlich ist es bereits an der Unfallstelle wichtig, keinen Fehler zu machen. Vor allem kommt es dabei auf die Beweissicherung an: Der Geschädigte sollte immer darauf achten, dass er Fotos von der Unfallstelle macht und Zeugen sucht, die den Unfallhergang gesehen und hinterher bezeugen können. Ist sichergestellt, dass der Unfallhergang gegenüber dem Versicherer des Verursachers nachgewiesen werden kann, beginnt die eigentliche Unfallregulierung.

Das Schadengutachten ist der beste und sicherste Weg, um die Beweissicherung der Unfallschäden zu gewährleisten und vor allem die entstandenen Sachschäden zu beziffern. Anders lässt sich die Schadenhöhe nach einem Verkehrsunfall nicht in dem Umfang darstellen, wie sie eigentlich eingetreten ist.

Das Gutachten behandelt mehrere Schadenspositionen: Reparaturkosten, Reparaturdauer (das ist wichtig für Nutzungsausfall und Nutzungsausfallentschädigung) und Wertminderung. Besteht ein wirtschaftlicher Totalschaden, beziffert das Gutachten Wiederbeschaffungswert und Restwert. Ein Kostenvoranschlag einer Werkstatt tut das nicht, aus diesem lassen sich nur die voraussichtlichen Reparaturkosten ersehen.

Das bedeutet im Klartext Folgendes: Ohne Unfallgutachten lassen sich Nutzungsausfallentschädigung und Wertminderung für den Geschädigten nicht beziffern, er verzichtet somit nach dem Verkehrsunfall bereits auf die Ansprüche, die ihm wegen Nutzungsausfall und merkantilem Minderwert zustehen würden.
Die Kosten für das Gutachten muss der Geschädigte im Übrigen nicht tragen.

Es macht also überhaupt keinen Sinn, nach einem Unfall kein Sachverständigengutachten erstellen zu lassen. Anders wäre dies nur dann, wenn durch den Unfall lediglich ein Bagatellschaden eingetreten wäre. Von einem Bagatellschaden spricht man, wenn die Reparaturkosten nicht höher liegen, als etwa 700 bis 800 Euro. Ein Gutachter wird allerdings, wenn er erkennt, dass diese Grenze nicht überschritten ist, kein vollwertiges Schadengutachten erstellen, sondern lediglich ein sog. Kurzgutachten, dessen Kosten wiederum von der gegnerischen Versicherung zu tragen sind.

Vorsicht vor dem Gutachter der Gegenseite

Ein Sachverständiger kann allerdings immer nur so gut sein, wie er unabhängig ist. Ist es die gegnerische Versicherung, die dem Sachverständigen den Auftrag erteilt, wird dieser im Interesse seines Auftraggebers handeln und damit die Bewertung des Unfallschadens niedriger ansetzen, als er eigentlich ist. Ein Unfallgeschädigter sollte daher niemals einen Sachverständigen akzeptieren, der von der Gegenseite beauftragt wurde, auch wenn es sich dabei um ein seriöses Sachverständigenunternehmen (z.B. Dekra) handelt.