Haftpflichtschaden

Ist man bei einem Verkehrsunfall nicht der Schadensverursacher, sondern der Geschädigte, spricht man von einem Haftpflichtschaden. Und natürlich will der Geschädigte den Haftpflichtschaden von der gegnerischen Haftpflichtversicherung oder ihrem Versicherungsnehmer ersetzt bekommen.

Wie der Geschädigte dies am sinnvollsten tut und was dazu notwendig ist, erläutert der Ratgeber der Unfallhelden.

Haftpflichtschaden: Woraus setzt er sich zusammen?

Ein Verkehrsunfall führt oftmals dazu, dass mehrere sog. Schadenspositionen für das Unfallopfer in Betracht kommen, weil an mehreren Objekten Schaden entstanden ist. Ganz generell kann es ein

  • Sachschaden
  • Personenschaden oder
  • Vermögensschaden

sein, der den Haftpflichtschaden bildet, manchmal auch Kombinationen aus zwei oder auch drei dieser Arten von Schäden.

Haftpflichtschaden durch einen Verkehrsunfall: Wie funktioniert die Abwicklung?

Wer in Deutschland ein Kraftfahrzeug führen will, muss dafür zwingend eine Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung unterhalten. Die Besonderheit bei der Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung ist zudem diejenige, dass der Geschädigte einen direkten Anspruch gegen den einstandspflichtigen Versicherer hat und nicht, wie beispielsweise bei der Privathaftpflicht, nur einen Anspruch gegen den Schadensverursacher, der seinerseits einen Anspruch gegen seine eigene Haftpflichtversicherung hat.

Der Haftpflichtschaden nach einem Verkehrsunfall kann daher durch das Unfallopfer mit der gegnerischen Haftpflichtversicherung abgewickelt werden, die aus ihrer Haftpflicht auch direkt verklagt werden kann.

Den Zusammenhang sollte man sich allerdings deutlich vor Augen führen: Der Haftpflichtschaden wird vom Unfallgegner verursacht, seine Haftpflichtversicherung muss für die Schäden aufkommen. Das bedeutet, dass der Schadenservice dieser Haftpflichtversicherung nur die eigenen finanziellen Interessen vertritt und bestenfalls noch die des Unfallgegners. Sie will als für den Haftpflichtschaden möglichst wenig Geld bezahlen.

Als Geschädigter braucht man also nicht zu glauben, dass die gegnerische Haftpflichtversicherung es gut mit einem meint.

Der Haftpflichtschaden und der Schadenservice der gegnerischen Haftpflichtversicherung

Um effizient die für die eigenen Versicherungsnehmer aus der Inanspruchnahme der Haftpflicht regulierten Schäden zu senken, verfügen die meisten Versicherer inzwischen über einen Schadenservice, auch als sog. Schadensmanagement bezeichnet. Das Schadensmanagement zielt darauf ab, möglichst frühzeitig das Unfallopfer zu erreichen, um diesem den Haftpflichtschaden bzw. dessen Abwicklung mehr oder weniger aus der Hand zu nehmen.

Das beginnt in der Regel damit, dass sich die gegnerische Haftpflichtversicherung telefonisch beim Unfallopfer meldet und durch einen speziell geschulten Mitarbeiter eine besonders freundliche und zuvorkommende Atmosphäre schafft.

Im Rahmen dieses Gespräches wird der Geschädigte sodann zur Einhaltung seiner Pflicht zur Schadenminderung bzw. Schadenverhütung ermahnt, was ihn vor allem davon abhalten soll, einen Rechtsanwalt und einen eigenen – unabhängigen – KFZ-Sachverständigen mit der Angelegenheit zu befassen.

Die Zielsetzung dabei ist ja eindeutig: Der eigene KFZ-Sachverständige könnte dem Unfallopfer mitteilen, wie hoch der Haftpflichtschaden an seinem KFZ tatsächlich ist und der Rechtsanwalt könnte dem Unfallopfer erklären, was für Schäden ihm aus diesem Haftpflichtschaden heraus noch zustehen. Beides ist nicht im Interesse der Haftpflichtversicherung.

Das Schadenmanagement geht allerdings darüber noch hinaus: Die Haftpflichtversicherung versucht außerdem, den Haftpflichtschaden in einer ihrer Vertrauenswerkstätten reparieren zu lassen, die aufgrund des Kostendrucks leicht versucht sein könnte, gebrauchte Ersatzteile zu verwenden, sicherheitsrelevante Teile nicht auszutauschen, sondern instandzusetzen, und dergleichen mehr.

Der Geschädigte wird auch oftmals zielgerichtet darüber im Unklaren gelassen, dass ihm zum Beispiel Ansprüche auf Nutzungsausfallentschädigung oder einen Mietwagen oder auch ein Schmerzensgeld zustehen könnten.